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Das Early Excellence Konzept (EEC)

Das Early Excellence Konzept (EEC) in St. Josef

 Early Excellence ist ein Bildungskonzept. Es wurde in Corby/England 1983 entwickelt und in verschiedenen Regierungsprogrammen in England flächendeckend verbreitet.

Folgende drei Grundannahmen liegen dem Konzept zugrunde:

  • Jedes Kind ist exzellent.
  • Die Eltern sind die ersten Erzieher und von daher Experten für ihr Kind.
  • Die Kita wird zu einem integrierten Zentrum für Kinder und ihre Familien.

In Deutschland wurde der in erster Linie für Kinder im Vorschulalter konzipierte Ansatz im Jahr 2000 erstmals modellhaft in Berlin erprobt, wo aus der Kita heraus sich das Familienzentrum Schillerstraße entwickelte. Seit dieser Zeit wurden nach und nach Kitas des Pestalozzi-Fröbel-Hauses Berlin zu EEC-Einrichtungen umgebaut. Hierbei engagierte sich die Heinz und Heide Dürr Stiftung ebenso wie in St. Josef Stuttgart.

Die 2007 begonnene Schulung von MitarbeiterInnen aus dem Kinderzentrum St. Josef und St. Stefan durch die drei EEC-BeraterInnen aus St. Josef und die Leiterin des Kinderhauses St. Stefan hat im November 2009 ihren Abschluss gefunden. Im Verlaufe dieser Schulung wurden ca. 65 MitarbeiterInnen aus St. Josef und 10 MitarbeiterInnen aus St. Stefan in das EEC- Konzept intensiv eingeführt und über Gruppen bezogene Coachings in diesem Prozess begleitet. Alle MitarbeiterInnen erhielten bei einer kleinen Abschlussfeier ein Zertifikat über ihre Teilnahme ausgehändigt. (siehe EEC-Newsletter 1/2010)

Eine passende Abrundung der EEC-Schulung bildete außerdem eine Hospitationswoche in EEC-Einrichtungen in Wolverhampton/England, an der 9 MitarbeiterInnen aus St. Josef teilnahmen. Sie brachten eine Vielfalt von Einblicken und Eindrücken aus vier verschiedenen EEC-Einrichtungen mit, die in die Arbeit von St. Josef  mit Sicherheit einfließen werden und die Entwicklung unserer Einrichtung zum EEC weiter voranbringen werden. (siehe EEC-Newsletter 1/2010)

Mit dem Schulungsende ist somit zwar ein ganz wesentlicher Meilenstein erreicht, doch keineswegs eine Entwicklung beendet worden. Vielmehr stehen Nachschulungen neu hinzugekommener MitarbeiterInnen an, unser Fachbereichsleiter  der Hortgruppen, Herr Vogel, und Herr Efinger als regionaler Bereichsleiter von Bad Cannstatt absolvieren 2010 die Weiterbildung zum EEC-Berater in Berlin. Weitere katholische Kitas, die z.T. in die Trägerschaft von St. Josef übergehen werden, wollen sich ebenfalls auf den Weg zur EEC-Einrichtung begeben.

Das EEC-Konzept mit seinen pädagogischen Strategien, seinem ethischen Code, seiner Beobachtungssystematik, den individuellen Förderangeboten für jedes Kind und der engen Zusammenarbeit mit den Eltern ist in St. Josef gut angekommen. Die Erlebnisbücher, in denen die durchgeführten und zuvor mit viel Kreativität der MitarbeiterInnen entwickelten individuellen Angebote mit ausdrucksstarken Fotos dokumentiert werden, erfreuen sich großer Beliebtheit bei Kindern, Eltern und MitarbeiterInnen. Nicht nur über dieses Instrument, sondern auch über die Einbeziehung von Eltern in den Gruppenalltag und verschiedenste Aushänge in den Gruppenräumen ist es gelungen, die Arbeit in St. Josef viel transparenter und den Umgang mit Eltern noch partnerschaftlicher zu gestalten. Heute können wir Eltern immer mehr aus der Tiefe unserer Herzen in unserer Einrichtung willkommen heißen.

Und das Schöne daran ist, dass Eltern dies spüren und es mit einem hohen Maß an Vertrauen, welches sie unseren PädagogInnen entgegenbringen, zurückzahlen. 

Besonderer Erwähnung bedarf, dass wir nicht nur den Orientierungsplan in unseren Kitas  nach dem EEC-Konzept erfolgreich umsetzen, sondern auch im Bereich Hilfen zur Erziehung versuchen, die Kerngedanken von EEC aufzugreifen, passend zuzuschneiden und vor allem in der Raumgestaltung und  in der Zusammenarbeit mit den Eltern zu beherzigen. So wurde zum Beispiel der Beobachtungsbogen modifiziert und eine noch stärker zur Beschäftigung und zum Spiel anregende Umgebung geschaffen. Eltern, deren Kinder in einer Wohn- oder Tagesgruppe betreut werden, kommen in einer gewissen Selbstverständlichkeit zu Besuch auf die Gruppe, essen mit, machen Hausaufgaben mit ihren Kindern oder spielen mit ihnen, gehen mit auf Freizeiten und beteiligen sich an verschiedensten Aktionen.

Trotz der sehr großen Offenheit der MitarbeiterInnen gegenüber dem EEC-Konzept, ihrer vielerorts spürbaren Begeisterung und ihres hohen Engagements bei der Umsetzung gibt es noch „offene Baustellen“ und „Stolpersteine“. Die Übertragbarkeit des Konzeptes auf den Hortbereich mit den älteren Kindern und in den Bereich der Hilfen zur Erziehung seien hier als Beispiele genannt, an denen wir weiterarbeiten wollen.

Stetig voran schreitet die wissenschaftliche Begleitung durch die Hochschule Esslingen unter der Regie von Frau Prof. Dr. Kölsch-Bunzen. Die Kinderbefragung  mit dem Instrument „Fit Kit“ geht in die zweite Runde. Die geführten qualitativen Eltern- und ErzieherInneninterviews bieten eine gute Grundlage für die einzelnen Punkte der quantitativen Eltern- und ErzieherInnenbefragung, die in schriftlicher Form  zum Jahresende in Umlauf gebracht wird.

Darüber hinaus freuen wir uns sehr, dass inzwischen fünf Bachelorarbeiten an  verschiedenen Hochschulen zu Fragestellungen rund um EEC in St. Josef verfasst worden sind.

Dem Gedanken einer lernenden Gemeinschaft und der Vernetzung folgend, gründete sich im Juli die EEC-Regionalgruppe Süd, in der EEC-Fachleute aus  Stuttgart, Heilbronn, Esslingen und Nürnberg vertreten waren. Für 2011 plant die Regionalgruppe einen Fachtag zum Thema EEC.

Das bundesweite, von St. Josef organisierte EEC-Netzwerktreffen unter dem Motto „walk and talk“ fand in 2009 ebenfalls in Stuttgart statt. (siehe EEC-Newsletter 1/2010)

Die Idee, als „Leuchtturmeinrichtung“ zu fungieren und so beispielhaft voranzugehen, konnte in St. Josef 2009 ein gutes Stück realisiert werden. EEC leuchtet weit über die Grenzen Stuttgarts hinaus. Das Interesse für die Philosophie und das Konzept von EEC nimmt auch im „wilden Süden“ zu, was sich in regelmäßigen Konsultationen interessierter Gruppen aus Städten und Gemeinden, Hochschulen, Fachschulen etc. widerspiegelt.  Personen und Gruppen mit Interesse an EEC bzw. Familienzentrum können Konsultationen von 1,5 oder 3 Stunden in St. Josef in Anspruch nehmen. Anfragen dieser Art sind zu richten an die Kita-Gesamtleitung (stefanie.entzmann@st-josefggmbh.de) oder den Projektleiter Familienzentrum (gerhard.loewe@st-josefggmbh.de), die gerne nähere Auskünfte erteilen.

Auch außerhalb waren die EEC-ExpertInnen bei verschiedenen Fachveranstaltungen (z.B. KVJS, Parteien, Beratungszentrum Ost …) eingeladen, um über EEC zu referieren.

Darüber hinaus soll das EEC-Konzept eine Weiterverbreitung dadurch finden, dass in Absprache mit dem Verein Early Excellence St. Josef gemeinsam mit der Bildungsakademie St. Loreto Schwäbisch Gmünd ab Juni 2010 eine Weiterbildung zur EEC-BeraterIn im Großraum Stuttgart anbieten wird - als Alternative zu Berlin mit dem Vorteil kurzer Wege und eines Zuschnitts auf die regionalen Verhältnisse. Es gibt also weiterhin genug zu tun und bleibt spannend.

Jedes Kind ist exzellent:

Die hinter dieser Annahme stehende Grundhaltung ist Voraussetzung für eine Arbeit, welche den (positiven) Blick vor allem auf die individuellen Befähigungen und Interessen von Personen richtet und nicht zuallererst Fehlersuche betreibt sowie an irgendwelchen Defiziten „herumzudoktern“ versucht.

Ähnlich wie Bestsellerautor Eckart von Hirschhausen in seiner „Pinguingeschichte“ veranschaulicht, dass nämlich ein Pinguin im Wasser bestechend „in seinem Element ist“ (im Wüstensand dagegen „ganz alt aussehen“ würde), sollten Eltern und Pädagogen herausfinden, was das aktuelle Thema, Interesse, die Lieblingsbeschäftigung des Kindes ist und das Kind darin fördern.

So wie es der „Pen Green Loop“ im EEC-Konzept vorsieht, versuchen wir in der Arbeit von St. Josef genau das zu tun und die Entwicklung des Kindes mit Hilfe passgenauer, kreativer Angebote individuell zu stärken und Fähigkeiten herauszubilden. Und das geht eben am besten in enger Zusammenarbeit zwischen pädagogischen Fachkräften und Eltern.

Mit jeder Erfahrung des Kindes, dass es etwas (gut) kann, eine Anforderung erfolgreich bewältigt, Anerkennung, Lob oder zumindest Interesse anderer dafür erntet, wächst im übrigen seine Bereitschaft, sich anderen, auch „schwierigen“ oder „ungeliebten“ Themen oder Aufgaben zuzuwenden.

Einbeziehung von Eltern in die Arbeit von St. Josef:

Neben der allgemeinen Möglichkeit, über eine Tätigkeit als Elternbeirat in einer der zahlreichen Kita-Gruppen, bei Ausflügen, Festen u.ä. Anlässen sich zu engagieren, bietet St. Josef Eltern einige weitere Möglichkeiten der Mitarbeit und Gestaltung an.

Zu nennen ist in diesem Zusammenhang die „Projektgruppe Familienzentrum“, die seit der Eröffnung des Familienzentrums besteht.. Sie ist zu gleichen Teilen aus Eltern und MitarbeiterInnen zusammengesetzt, trifft sich etwa viermal im Jahr, wertet dabei die Angebote aus, reflektiert neue Ideen und gestaltet das Programm des Familienzentrums. Erziehungspartnerschaft und Elternbeteiligung finden hier (aber nicht nur hier) beispielhaft ihren Ausdruck in St. Josef.

Auch in anderen Bereichen von St. Josef finden sich eindrucksvolle Beispiele hierfür. So ist es inzwischen in der Innenwohngruppe des Bereichs Hilfen zur Erziehung zu einer Selbstverständlichkeit geworden, dass Eltern täglich ein- und ausgehen. Längst werden sie nicht mehr als „Störfaktor“ wahrgenommen, sondern als Bereicherung. Ihre Kinder freuen sich über das Interesse, das ihnen die Eltern trotz des „Getrenntseins“ entgegenbringen und über Kontaktmöglichkeiten im Alltag. Und sie sind stolz, wenn ihre Eltern vor anderen auch in der Rolle eines besonderen Könners in Erscheinung treten, z.B. als exzellenter Koch oder Rezeptgeber, als Computerspezialist, als Fußballexperte oder als geschickter Handwerker. Das gute Miteinander von Eltern und pädagogischen Fachkräften kommt allen zu gute und mildert die Trennung von Kind und Eltern in deren Erleben deutlich.

Ähnlich offene „Zutrittsmöglichkeiten“ gibt es z.B. für die Eltern, deren Kinder in einer Flexiblen Tagesgruppe betreut werden. Dort ist inzwischen ein Eingangsbereich entstanden, in dem Eltern ihren Platz zum Verweilen finden können, nebenbei gemütlich eine Tasse Kaffee trinken können oder das Erlebnisbuch ihres Kindes anschauen können. Darüber hinaus können sie einfach Zugang zu ihrem Kind finden, ggf. bei den Hausaufgaben dabei sein oder beim Spielen und informelle Möglichkeiten zum Austausch mit den Pädagogen nützen.

In der ambulanten Hilfe zur Erziehung laufen derzeit Versuche, Eltern als aktive Beobachter ihrer Kinder bei einer selbst gewählten Beschäftigung entsprechend der EEC-Beobachtungssystematik einzusetzen mit dem Ziel, daraus ein individuelles Förderangebot für das Kind zu entwickeln. 

Der neu zu gestaltende Pfortenbereich mit der Tauschbörse für Kleider, Spiele, Bücher könnte ein weiterer Bereich sein, in dem Eltern demnächst Verantwortung übernehmen und mitarbeiten.

Generell wäre es schön, wenn Eltern häufiger in und über St. Josef (und natürlich auch anderweitig) Möglichkeiten finden würden, einer für sie sinnvollen Beschäftigung nachzugehen und damit ihre materielle Existenz aus eigener Kraft besser absichern zu können. In Einzelfällen (z.B. über Aushänge am Schwarzen Brett des Familienzentrums und über Mundpropaganda) geschieht dies bereits. Es gibt jedoch eine Vielzahl von Eltern, die derzeit ohne festes Anstellungsverhältnis sind und gerne zu Zeiten, die mit ihren elterlichen Pflichten vereinbar sind, einer Beschäftigung nachgehen würden.

Die Öffnung in den Stadtteil:

Mit dem Aufbau eines Familienzentrums, das inzwischen über eine vielfältige Angebotspalette verfügt, hat St. Josef die Öffnung der Kita in den Stadtteil auch äußerlich sichtbar vollzogen.

Ein Beamer im Eingangsbereich weist mehrsprachig auf das Angebot im Familienzentrum hin. Ein Schaukasten am Gehweg, ein Dauerinserat in der Stadtteilzeitung, Aushänge in den Kitas und in den beiden ambulanten Dienststellen für Hilfen zur Erziehung, Flyer beim Beratungszentrum des Jugendamtes, bei Ärzten, in Schulen  etc. dienen ebenfalls der Bekanntmachung der Angebote, wobei die persönliche Ansprache immer noch den größten Effekt erzielt.

Die stark gewachsene Zahl von Anmietungen zeigt ebenso wie die vielen Angebote in Kooperation mit anderen Institutionen (vor allem Elternseminar, aber auch Privatinitiativen oder Interdisziplinäre Frühförderstelle des Gesundheitsamtes) den gestiegenen Bekanntheitsgrad des Familienzentrums und die zunehmende Verknüpfung mit anderen im Stadtteil.

EEC in Bad Cannstatt:

St. Josef ist über den Stuttgarter Osten hinaus Träger von Kitas und Einrichtungen zur Erziehungshilfe im Bereich Bad Cannstatt. Der dortige Regionalleiter für HzE nimmt in 2010 an der Weiterbildung zum EEC-Berater in Berlin teil, MitarbeiterInnen aus den Cannstatter Kitas in Trägerschaft von St. Josef haben z.T. ihre EEC-Schulungen schon abgeschlossen und stehen in den Startlöchern zur Umsetzung des Konzeptes und zum Aufbau von Familienzentren, der aktuell durch die angespannte Haushaltslage der Stadt Stuttgart allerdings deutlich erschwert ist und sich u.U. deshalb langsamer vollzieht als geplant. Dennoch lässt sich sagen: EEC ist in St. Josef angekommen und findet stadtweit immer mehr Befürworter und Freunde.

Förderung von St. Josef:

Diese Freunde, diese „Seelenverwandten“, dieses EEC-Netzwerk braucht es ebenso wie Förderer bei der Finanzierung. Wir sind froh, auf all das zurückgreifen zu können. Ohne die großzügige Unterstützung durch die Heinz und Heide Dürr Stiftung, der an dieser Stelle nochmals unser ausdrücklicher Dank für Ihr Engagement in St. Josef gebührt, hätte St. Josef den 2007 eingeschlagenen Weg in Richtung EEC nicht bis zu dem heutigen Punkt gehen können.

Und die Umgestaltung des Spielgeländes in St. Josef wäre ohne den Freundeskreis e.V. auch nicht möglich gewesen. Deshalb auch ein herzliches Dankeschön an den Freundeskreis e.V. St. Josef.

Danke!

Ein Konzept lebt erst durch Personen. Daher gilt  Dank und Anerkennung all den in hohem Maße begeisterungsfähigen und engagierten MitarbeiterInnen und Eltern in St. Josef und den einzigartigen Kindern mit ihren vielen wunderbaren Begabungen